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Sascha Gerstner

Sascha Gerstner «Der Vielseitige»

Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre, dann wäre die deutsche Metal Band Helloween heute mit Iron Maiden und Metallica die grösste Metalband auf Erden. Aber da vieles anders kommt als geplant, könnte das nun im zweiten Anlauf doch noch gelingen.

1988 erschien das noch heute wegweisende Album «Keeper of the seven Keys Pt. 2». Ich mag mich noch gut erinnern, wie ich als 13-Jähriger das Konzert in der Winterthurer Eulachhalle besuchte. Mit Michael Kiske präsentierte die Band einen Ausnahmesänger, welcher damals nicht viel älter war als ich. Er kratzte gerade am zwanzigsten Lebensjahr und verhalf der Band mit seiner glasklaren Stimme und einem enormen Melodieverständnis zum internationalen Durchbruch. Erfolg macht sexy, Erfolg verändert aber auch. So musste die Band zuerst den Abgang Kai Hansens (Gitarrist und Songwriter) verkraften, welcher mit Gamma Ray eine eigene Band gründete und am Thron der alten Bandkollegen rüttelte. Später musste Helloween zudem den Suizid ihres Schlagzeugers verarbeiten, brach mit dem Album «Chameleon» den vermeintlichen Bandtodestoss auf den Markt, welcher dann mit Nirvana und Grunge auch fast folgte. So waren es keine paar tausend, sondern nur noch ein paar wenige hundert Zuschauer, welche die Konzerte besuchten.

2003 stiess ein neuer Gitarrist zur Band, einer der um einiges jünger als seine Bandkollegen war und der Band einen frischen Anstrich verpasste. Der Hühne verhalf mit Bestimmtheit zu mehr jüngeren und weiblichen Fans und auch als Songwriter beteiligte er sich am Bandgeschehen. Diese veröffentlichte in regelmässigen Abständen neue Alben, tourte wieder um den Globus und feierte auf Festivals und vor allem in Süd Amerika vielbejubelte Konzerte. Metalfans gehören zwar zu den treuesten, aber auch zu den engstirnigsten Fans. Obschon man mit Sascha Gerstner und dem Sänger Andi Deris ein harmonisches Gesamtbild präsentierte, schrieen die Fans noch immer nach dem alten Sänger Michael Kiske. Der gläubige Sänger wollte aber auch rein gar nichts mehr mit Metal zu tun haben, eine Reunion schien unmöglich. Der Aufschrei war somit riesig, als die Band vor einem Jahr vermeldete, dass man mit Kiske und auch Hansen die Wiedervereinigung feiert. Die Band vergass aber nicht, was sie an Andi Deris und Sascha Gerstner haben und so blieben die beiden Musiker mit an Board und präsentierten den Fans eine grosse Helloween Familie. Was dann folgte, war ein einmaliger Siegeszug: ausverkaufte Konzerte in Süd Amerika und Europa. Konzerte vor über 10’000 Zuschauern waren plötzlich wieder an der Tagesordnung; viele sprechen vom besten Konzerterlebnis überhaupt. Und so ist die Band nun endlich dort, wo sie schon längst hingehört: an der absoluten Spitze. Als nächstes steht Asien auf dem Tourplan und Fans können auch auf ein Reunionalbum hoffen.


Auch ich besuchte das Konzert und war extrem angetan. Die Band präsentierte sich äusserst sympathisch und eingespielt. Im Anschluss besuchte ich die Sozialen Kanäle von Sascha Gerstner und entdeckte, dass dieser neben seinem Gitarrenspiel und seinen Qualitäten als Songwriter, noch viele weitere Talente sein Eigen nennt. So betätigt er sich als Produzent, ist Sänger in einer 80er Synthie Band und in seinem Portfolio präsentiert er sein Talent als Fotograf. Ich wollte mehr dazu erfahren und habe den in Berlin wohnhaften Künstler angefragt, ob ich eine Auswahl seiner Bilder präsentieren darf. Es freut mich, dass ich diese zeigen darf. Zudem erfahren Sie im anschliessenden Interview mehr zu dieser interessanten Persönlichkeit.

Mit Helloween befindet ihr euch auf einer gigantischen Erfolgswelle. Hast du infolge der Reunion mit Konzerten vor über 14’000 Fans gerechnet? Oder übertrifft der bisherige Erfolg eure kühnsten Erwartungen?
Wir dachten schon, dass die Band durch die Reunion noch mehr in den Fokus der Fans rückt, aber mit so einer Welle hat echt keiner gerechnet.

Was mich beim Zürcher Konzert überrascht hatte, waren die visuellen Elemente, welche ihr eingesetzt habt. Die Spots müssen Unmengen gekostet haben. Was für Leute stehen hinter diesem Konzept? Wer ist für die animierten Spots verantwortlich?
Man mag es kaum glauben, aber für die Spots waren zwei Fans aus Spanien verantwortlich. Die Beiden haben schon unser Hellbook erstellt. So einen spezifischen Content kann man auch schwer an Leute abgeben, die kaum Bezug zur Band haben. Die Animationen haben die beiden dann von Profis erstellen lassen. Alles lief bei unserem Management Bottom Row zusammen, die den Blick für das grosse Ganze haben, was Budget und Show angeht.

Wie wichtig sind solche grafische Elemente mittlerweile auch für eine doch eher traditionelle Band wie Helloween?
Wir wollten als sogenannte “Old School” Metal Band weg von den plumpen Boxenwänden. Nachdem wir über die letzten 10 – 15 Jahre auch immer mehr junge Fans für unsere Konzerte begeistern konnten, wollten wir schon eine Show liefern, die sehr aktuell rüberkommt. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass Helloween immer eine grosse Portion Humor an Board hat. Dafür passt so ein Content natürlich perfekt.

Auf den Sozialen Medien bist du sehr aktiv. Wie wichtig sind die Neuen Medien, wenn es um den Erfolg der Band geht? Und welche Formate befüllst du persönlich am liebsten?
Ich denke, heutzutage sind die sozialen Medien die erste Schnittstelle für Fans, um mehr über ihre Band zu erfahren. Das geht weit über Konzertankündigungen hinaus. Ich persönlich merke, dass es eine ganz besondere Verbindung zwischen Künstler und Musikfan schafft. So etwas hat es in meiner Jugend nicht gegeben. Instagram und Facebook spielen hier für mich die grösste Rolle.

Du bist der Jüngste in der Band. Bist du die treibende Kraft, wenn es darum geht, das richtige Band-Marketing zu praktizieren und neue Wege zu gehen? Oder könnt ihr euch voll auf die Dienste einer Agentur verlassen?
Ich bin definitiv die kreative Schnittstelle für unser Management. Ich arbeite sehr eng mit unserem Management zusammen und betreue auch viel die sozialen Netzwerke und bemühe mich immer darum, dass eine Art Corporate Identity eingehalten wird. Ich bin hier in Berlin natürlich viel in Kontakt mit Kreativen aus verschiedenen Branchen, was mich sehr inspiriert und ab und zu kann ich dann der Band auch den einen oder anderen Impuls geben.

Du bist nicht nur ein exzellenter Songwriter und Gitarrist, sondern auch ein grosses Talent was die Fotografie betrifft. Wann hast du mit dem Fotografieren angefangen? Hast du eine klassische Ausbildung durchlaufen?
Ich danke dir! Ich bin da mehr oder weniger erstmal reingerutscht. Habe in der Zeit, als digitale Fotografie ihren absoluten Durchbruch hatte, zwischen 2006 und 2008 einen sehr leichten Einstieg gefunden. Als ich dann überraschenderweise sehr schnell kommerzielle Angebote erhalten hatte, bin ich richtig professionell eingestiegen und habe über 2 Jahre in verschiedenen Studienangeboten das Fotografieren richtig erlernt. Das heisst die Physik von Grund auf, was den Nerd in mir geweckt hat. Reziprokes Quadratgesetz, Composing, Kameratechnik und Business, ha ha! Sehr nerdig! Ich wollte das Fotografieren richtig lernen und nicht nach jedem Shot auf das Display der Kamera blicken, ob die Belichtung stimmt. Bei Industrie Jobs hast du einfach keine Zeit mehr dafür. Plötzlich stand ich nach 2 Jahren in Berliner Fotostudios und hab Modekataloge und Kampagnen fotografiert. Und das zwischen Albumaufnahme und Welttour, was doch einen grossen Kontrast darstellt. Ich mache das ganze unter meinem Pseudonym Sascha Pace (Pace Arts), um das gut getrennt zu bekommen. Speziell in der Mode Branche hat man leider schnell mit Vorurteilen zu tun, wenn die Leute einen googeln und Heavy Metal mit High Fashion nicht in ihren Köpfen zusammenbekommen.

In deinem Portfolio findet man viele Bandfotografien. Wie ist es für dich, wenn du nicht selber teil des Geschehens bist und andere Bands in den Mittelpunkt rückst?
Das macht mir total Spass, da ich mich natürlich sehr gut in die Künstler hineinversetzen kann. Bei der Arbeit mit Menschen kommt es extrem auf das Vertrauen an. Durch meinen Musik Hintergrund fällt es mir vielleicht etwas leichter das Vertrauen beim Shoot aufzubauen. Man hat sofort gemeinsame Themen und die Künstler wissen, dass mir bewusst ist, dass sie auf den Fotos bestmöglich dargestellt werden müssen. Ausserdem weiss ich, was gefordert ist für Album Artwork und Magazine, das macht die Sache angenehmer.

PALAST

Wo siehst du deine grössten Stärken? In welchen Themen findest du die grösste Befriedigung?
Ich fühle mich mit Modefotografie und Portrait Arbeit am wohlsten. Ich denke, meine grösste Stärke ist die für Künstler wohl ungewöhnliche Zuverlässigkeit. Ausserdem bin ich ein Perfektionist und immer mit Herz bei der Sache. Wenn ich ein Shooting habe, bekomme ich einen Tunnelblick und in der Vorbereitung bis zur Abgabe ist es wie ein eigenes Baby.

Helloween ist eine Band aus Hamburg. Hamburg beheimatet auch bekannte Werbeagenturen wie zum Beispiel Jung von Matt, Kolle Rebbe und viele mehr. Arbeitest du auch für Werbeagenturen? Wer bucht dich als Fotograf?
Den ersten Job als Fotograf habe ich in der Tat von einer Werbeagentur bekommen. Allerdings nicht von den «Big Playern» aus Hamburg. Das war für einen 80’s inspirierten Mode Shoot. Gebucht werde ich von Modedesignern, Plattenfirmen, Musikmanagements und auch Werbeagenturen.

Was für eine Kamera benutzt du und welche Art von Fotografie bevorzugst du? Lieber analog oder digital?
Ich bin mit Nikon damals eingestiegen und dabei geblieben. Im Moment nutze ich für fast alle Jobs die D800 und mehrere Nikkor Objektive mit Festbrennweite. Für meine Arbeit benötige ich am meisten das 50mm f1,4 und das 85mm f1,4 Objektiv. Manchmal nutze ich auch rental Equipment wenn der Kunde unbedingt medium Format haben will. Dann ist es meistens Hasselblad oder Phase One. Aber das kommt nur noch selten vor, seit die neuesten Vollformatkameras sehr hohe Auflösungen haben. Ich habe zwischenzeitlich für eigene Projekte mit einer Rolleiflex auf Film geschossen, aber wenn es um Jobs geht, fotografiere ich nur digital. Der Workflow ist einfach schneller, günstiger und hat viele Vorteile. Zum Beispiel shoote ich sehr viel “tethered”. Das heisst direkt nach dem betätigen des Auslösers wird das Bild auf einen Rechner übertragen, wo man dann das Bild direkt sieht.

Auf Instagram sah man wie du die Berliner Fashionweek besucht hast. Verfolgst du solche Anlässe als Fan oder als Fotograf?
Ich wurde dieses Jahr zur Fashion Week mehrmals von einer Designerin, mit der ich zusammenarbeite, eingeladen. Ich habe für sie schon Kampagnen geshootet, mit meiner anderen Band Palast als Teil ihrer Show schon live auf der Fashion Week gespielt oder einfach nur Musik für den Laufsteg komponiert. Für mich verschmelzen bei solchen Events die private Leidenschaft mit dem Beruf.

Sascha Gerstner

Gibt es Vorbilder, an denen du dich orientierst?
Im Prinzip kann mich jeder inspirieren, der mit seiner Kunst was zu sagen hat. Ich vermeide es, mich an anderen zu orientieren. Aber Inspiration ist mir wichtig und es gibt natürlich Fotografen, die mich immer noch sehr inspirieren. Dazu gehören Peter Lindbergh, Melissa Rodwell und Giuliano Bekor.

Neben Mode, Fotografie und Gitarre bist du auch noch in einer 80er Synthie Band aktiv. Kannst du uns mehr dazu verraten?
Ja, die Band heisst PALAST und ist eine Herzensangelegenheit. Ich bin da als Frontman mit meinem Pseudonym vertreten. Viele Journalisten aus dem Metal Genre haben mich immer wieder nach einem Solo Projekt gefragt und ich hatte immer wieder betont, dass ich das nur machen würde, wenn es mit Heavy Metal nichts zu tun hat, da ich das ja schon mit Helloween auslebe und mich das künstlerisch nicht reizen würde im gleichen Genre unterwegs zu sein. Wenn ich Songideen für Heavy Metal habe, möchte ich die lieber auf einem Helloween Album unterbringen, als auf einem Soloalbum. Ausserdem hat mich die Metal Szene seit einigen Jahren nur sehr wenig inspiriert und auf dem Indie und Electro Sektor ist unglaublich viel passiert. Wahnsinnig viel innovative Musik kommt von da. Ausserdem bin ich als Kind der 80er sehr von New Wave und Popmusik geprägt. Das Ergebnis aus meinen Roots, dem Rockmusik Hintergrund und moderner elektronischer Musik ergab PALAST. Ich finde es ausserdem reizvoll, unter anderem Namen wieder fast von vorne zu beginnen. So mussten wir zum Beispiel Showcases spielen, Management und eine Plattenfirma finden. Wir machen alles selbst, von der Produktion bis hin zu den Bandfotos, die ich mit Selbstauslöser oder Assistent shoote. Als Vorband haben wir 2017 schon auf zwei Tourneen gespielt und auch unsere erste kleine Club Tour gemacht. Unser Debüt-Album ist auch letztes Jahr erschienen und seitdem nimmt auch diese Karriere langsam ihren Lauf.

Müssen sich Helloween Fans Sorgen machen, dass du dich für die Zeit nach Helloween umorientierst?
Ich bin ein Mensch, der sich ständig verändert, von daher weiss ich nicht was die Zukunft bringt. Allerdings hoffe ich, dass es eine sogenannte “Zeit nach Helloween” nicht gibt. Ich liebe die Band und in meinem Herzen gibt es immer Platz für laute Gitarrenmusik, ha ha!

Und ein Album, wann darf man mit dem ersehnten Reunion-Werk rechnen?
Jetzt sind wir erstmal noch sehr mit der Tour beschäftigt. Es steht gerade noch die Tour in Japan an und Festivals im Sommer. Dazu gehört als Highlight die Headliner Show auf dem Wacken Festival und im Herbst kommt noch eine USA Tour. Ich denke, wenn die Tour Ende des Jahres um ist, können wir über ein Album nachdenken.

Sascha Gerstner

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saschagerstner.com

helloween.org

palastband.com

©Interview: Yves Seiler
©Bilder: Sascha Gerstner

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